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Schwangerschaftsberatung

Schwangerschaft verändert das Leben

„Aber Jungs werden doch nicht schwanger!“Frau Bauer ist als Diplomsozialpädagogin seit vielen Jahren in der Schwangerschaftsberatungsstelle im Gesundheitsamt Neuburg tätig. Ihre Erfahrung hat ihr gezeigt, dass trotz aller Aufklärung und dem relativ freien Zugang zu Verhütungsmitteln jugendliche Mädchen schwanger werden. Vehement vertritt sie jedoch die Anschauung, dass auch „Jungs“, auch wenn sie ja selbst nicht schwanger werden, Verantwortung für eine Schwangerschaft – für das ungeborene Leben –  zu übernehmen haben.

Wird das Mädchen schwanger, ist das meist nicht geplant. Nach einem ersten Schockzustand wird sie von Konflikten und Ängsten überflutet.

  • Wie wird mein Freund reagieren?
  • Wie werden meine Eltern reagieren?
  • Wo soll das Geld herkommen, wenn ich das Baby bekomme?
  • Kann ich meine Ausbildung weitermachen? Wer kann mir helfen?
  • Soll ich abtreiben? Wo kann ich mich dazu informieren?

Selbst fast noch ein Kind, sollen sie plötzlich Mama werden und Verantwortung für ein Kind übernehmen. Aber auch der männliche Part ist für diese Schwangerschaft verantwortlich, auch wenn die letztliche Entscheidung über das Leben des Kindes allein die Mutter trifft.

Die Jungen erleben häufig einen ähnlichen Schockzustand wie die Mädchen. Es geht bei ihnen erst einmal darum zu begreifen, dass sie tatsächlich ein Kind gezeugt haben. Das klingt seltsam, aber es ist gar nicht so leicht zu akzeptieren, dass aus so etwas Spaßigem wie Sex eine so ernste Sache wie ein Kind entstehen kann.

Die Statistik zeigt, dass viele junge Männer ihre Freundinnen von einer Abtreibung überzeugen wollen, weil sie die Verantwortung für ihr Kind nicht übernehmen wollen. Die Entscheidungen, die auf sie zukommen, sind für sie meist nicht überschaubar und würden das Leben nachhaltig beeinflussen.

Oft erfahren alle Beteiligten bei einer Beratungsstelle zum ersten Mal, dass niemand das Mädchen zu etwas zwingen kann, erst recht nicht zu einem Schwangerschaftsabbruch. Das verbietet unser Gesetz.

Das Schwierige für den Jungen ist dann sein Gefühl von Ohnmacht: Er sieht sich der Entscheidung des Mädchens ausgeliefert und hat oft das Gefühl, reingelegt worden zu sein.

Es ist klar, in diesen schwierigen Lebenssituationen brauchen die jungen Menschen Unterstützung und kompetente Beratung. Sozialer oder familiärer Druck könnte hier zu Kurzschlussreaktionen führen.

Kompetente fachliche Unterstützung bieten hier Schwangerschaftsberatungsstellen an – und zwar für Mädchen und Jungen. Verantwortung übernehmen bedeutet ja nicht, alles alleine können zu müssen. Vielmehr geht es hier darum, Probleme zu erkennen und sich Unterstützung holen zu können. Die Sozialpädagogen bei den Beratungsstellen können helfen, sich über eigene Gefühle und Vorstellungen klar zu werden um so eine tragfähige Entscheidung zu treffen. Neben den rechtlichen Grundlagen eines möglichen Schwangerschaftsabbruchs geben sie aber auch alle Informationen zu den Unterstützungen, die gewährt werden, um als junge Mütter und Väter das Leben mit dem Kind bewältigen zu können. „Ein Kind braucht seine Mutter“. Das ist richtig, es braucht aber auch seinen Vater – auch wenn es nicht mit ihm zusammenlebt.

Aufklärung über die Verantwortung für das Leben ist die beste Prävention!

Jutta Kieler-Winter