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Fürstenmacht und wahrer Glaube

Lehrreiche Führung durch Neuburgs wechselhafte Religionsgeschichte„FürstenMacht und wahrer Glaube – Reformation und Gegenreformation“ so lautet der Titel einer Sonderausstellung im Neuburger Schloss. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Frage, wie Menschen Macht und Herrschaft mit ihrem Glauben verknüpft haben.

Kaum ein anderer Ort kann besser dafür geeignet sein, die Auseinandersetzung um den „wahren Glauben“ zur Zeit von Reformation und Gegenreformation zu verdeutlichen.

Die Reformation Neuburgs erfolgte unter unserem Pfalzgraf Ottheinrich. Bereits 1542 führte er den evangelischen Glauben in seinem Gebiet – dem Fürstentum Pfalz Neuburg-  ein. Seine Frau Susanna blieb allerdings katholisch, so dass wir damals in Neuburg wohl eines der ersten konfessionellen gemischten Ehepaare hatten. Offen bleibt die Frage, ob die beiden Glaubensfragen diskutiert haben.

Unter Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm erfolgte dann die Gegenreformation. Im Jahr 1617 kehrte er zur katholischen Kirche zurück und bestimmte als amtierender Fürst die Konfession für seinen Regierungsbereich: „cuius regio, eius religio“ – wes der Fürst, des der Glaub’. Mit tatkräftiger Unterstützung der Jesuiten wurden anschließend die Protestanten immer mehr an ihrer Religionsausübung behindert. Spätestens 1619 gab es keine  evangelischen Geistlichen mehr im Fürstentum.

Die Frage des wahren Glaubens war eine Frage der Mächtigen, verbunden mit Kriegen und Abwanderungen. Die kleinen Bürger mussten „dran glauben“, sie mussten sich Verhören zu ihrem Glauben unterziehen. Wer sich nicht dem Glauben der Fürsten unterordnen wollte, musste auswandern.

In der Reformation und in der Gegenreformation ging es zugleich immer auch um den Besitz der Kirchen. Das Ringen um Macht und ‚wahren Glauben‘ zeigt sich folglich auch in den bedeutenden Kunstgegenständen, die bei der Ausstellung zu sehen sind, und in den besonderen Bauwerken dieser Zeit.

Die Neuburger Schlosskapelle ist die erste protestantische Kirche in Deutschland. Die kirchliche Weihe des Gotteshauses erfolgte 1543. Sie diente als Hofkirche, bis Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm 1614 die Gegenreformation einleitete und die wunderschönen protestantischen Fresken übertünchen ließ.

Die Hofkirche wurde geplant und im Bau begonnen als evangelischer Gegenentwurf zur Münchner St. Michaelskirche. Als der Fürst Wolfgang Wilhelm zum katholischen Glauben übertrat, wurde sie als katholische Marienkirche vollendet und den Jesuiten übergeben.

Der Fürstengang – der Gang, der Schloss und Hofkirche verbindet – ist als eine Art „Kreuzweg“ aufgezogen. In einer Chronologie folgt man hier sechs Fürsten durch zwei Jahrhunderte: drei katholischen und drei evangelischen. Interessant ist dabei auch, dass zwei von ihnen jeweils das Bekenntnis wechselten.

So ist die Ausstellung für die Schüler, die sich in diesem Jahr mit dem Lehrplanthema „Martin Luther Reformation und Gegenreformation“ beschäftigen, ein einzigartiges Highlight. Im Rahmen des Religionsunterrichtes durften alle Schülerinnen und Schüler der 8. Jahrgangsstufe die Ausstellung besuchen und einen Einblick gewinnen in die interessante Reformationsgeschichte Neuburgs. Unser Dank gilt dem Lions-Club, der den Besuch finanziell unterstützt hat.

Jutta Kieler-Winter