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Unbehindert Miteinander

„Unbehindert miteinander“, so lautete jetzt schon im fünften Jahr der Aktionstag für die sechsten Klassen der Paul-Winter-Schule. An fünf verschiedenen Stationen lernen 79 Schüler, wie es ist, sich mit einer Behinderung im Alltag zu bewegen.

Organisatoren des Projekts sind die Religionslehrer an der Paul-Winter-Schule. Ihr Anliegen ist es, bei den Kindern das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass es weder selbstverständlich ist, gesund zu sein, noch ein Makel, mit einer Einschränkung zu leben. Am besten lernen Kinder dies durch eigene Erfahrungen.

Körperliche Anstrengung ist beispielsweise in der Turnhalle gefragt. Dort instruiert Sebastian Riesinger seine Mitschüler beim Rollstuhlbasketball, lässt sie im Rollstuhl geschlossene Türen öffnen oder durch einen Parcours mit Schwellen und Steigungen fahren. Sebastian ist selbst Schüler in einer der 6. Klassen an der Paul-Winter-Schule und auf seinen Rollstuhl angewiesen. Durch sein Beispiel erkennen die Mitschüler sehr schnell, dass der Rollstuhl kein Spielgerät ist, sondern ein wichtiges Hilfsmittel zur Fortbewegung.

Währenddessen lauscht eine andere Gruppe den Worten von Frau Heininger und Herrn Stengel von der Stiftung St. Johannes aus Schweinspoint. Sie vermitteln eindrucksvoll, wie es Menschen mit Handicaps mit dem Verständnis von Sprache ergeht. Die Schüler können hier an kleinen Rätseln selbst ihr Sprach- und Verständnisvermögen testen und erkennen sehr schnell, welche Erleichterungen gute Piktogramme und Symbole bringen können.

Wie es ist, mit einer Behinderung zu leben, darüber berichtet Familie Harsch, eine ganz besondere Familie. Während beide Elternteile gehörlos sind, kann Sohn Sebastian, auch ein Schüler der 6. Klassen der PWS, jedes gesprochene Wort gut hören. Das wirft Fragen bei den Schülern auf, von denen viele an diesem Projekttag zum ersten Mal in ihrem Leben auf gehörlose Menschen treffen: Wie lernt man, wenn man nichts hören kann? Wie verständigt man sich? Und darf man so überhaupt Auto fahren? Familie Harsch beantwortet die Fragen liebend gerne. Über Frau Kunze und Frau Bauer, beides engagierte Gebärdensprache-Dolmetscherinnen, teilt sie mit, dass es ihr ein Anliegen sei, aufzuklären und Berührungsängste abzubauen.

Den größten Kuschelfaktor bot Moses, eine Blindenführhund. Mit stoischer Gelassenheit und Zutraulichkeit gewann der Königspudel im Flug die Herzen aller Schüler. Sein Frauchen, Frau Graf, erzählte aus ihrem Alltag und den Aufgaben, die Moses dabei für sie übernehmen kann.

In der fünften Lernstation war erneut die Praxis gefragt. Hier konnten die Schüler am eigenen Leib erfahren, wie es ist, mit verschiedenen körperlichen Handicaps umzugehen! Mit einer Handicap-Brille ein Butterbrot schmieren? Auf Krücken fortbewegen? Den Anzug tragen, der mittels Gewichten und einer Brille die Gebrechlichkeit des Alters simuliert? Ganz schön anstrengend! Verschiedenste Gegenstände in Fühlkästen ertasten und richtig erkennen? Wirklich knifflig!

Das Resümee der Schüler, der betroffenen Experten und der Lehrkräfte lautet unisono: Dieser Aktionstag ist für die Paul-Winter-Schule und ihre Schüler ein großer Gewinn, die soziale Kompetenz   der Schüler wird gestärkt und das Gespür dafür, dass allen Menschen die gleiche Würde zusteht, ist geweckt. Denn die Paul-Winter-Schule  ist nicht zu Unrecht eine Schule mit dem Profil Inklusion.